Inselradeln Elba zwischen Macchia und Meer
Mit dem E-Bike unterwegs auf Elba

Rosmarin, Ginster, ein Hauch Salz in der Luft: Auf dem Rad riecht man Elba, bevor man es richtig sieht. Die drittgrößte Insel Italiens liegt vor der toskanischen Küste und gehört zum Nationalpark Toskanischer Archipel. Badegäste kennen ihre Sandstrände, Wanderer den Monte Capanne. Radler dagegen entdecken eine Insel, die mit jeder Kurve ein neues Gesicht zeigt.
Eine Woche im Mai ist unsere Gruppe hier unterwegs. Fünf Radtage, rund 190 Kilometer und knapp 3.800 Höhenmeter liegen vor uns. Das klingt sportlich, doch der eingebaute Rückenwind des E-Bikes macht aus Pflicht Genuss. Unser Basislager ist das Hotel Montecristo in Marina di Campo, direkt an einem der längsten Sandstrände der Insel.
Napoleon lässt grüßen
Am ersten Radtag starten wir am Fuß der Medici-Festungen von Portoferraio. Cosimo I. ließ sie im 16. Jahrhundert errichten, um die Stadt vor Piraten zu schützen. Die Küstenstraße führt uns zur Villa San Martino, wo Napoleon während seines Exils die Sommer verbrachte.
Dann wird es grün. In Serpentinen kurbeln wir hinauf auf die Halbinsel Capo d'Enfola, die nur ein 70 Meter schmaler Landstreifen mit dem Rest der Insel verbindet. Links liegt die wilde Nordseite, rechts der geschützte Golf von Viticcio, die letzten Kilometer knirscht Schotter unter den Reifen. 28 Kilometer zum Eingewöhnen.
Bis nach Korsika reicht der Blick
Von der Uferpromenade in Marciana Marina geht es gleich bergauf, hinein in die dichten Wälder des Monte-Capanne-Massivs. Bei Marciana Alta ist der höchste Punkt des Tages erreicht, tief unten glitzert das Meer. Auf kurvigen Sträßchen weichen Steineichen und Kastanien allmählich der kargen Macchia.
Die Küstenstraße im Westen ist der Höhepunkt. Hoch über dem Wasser schweift der Blick bei klarem Wetter bis Korsika. Über die stillen Orte Chiessi und Pomonte, vorbei an den Stränden von Fetovaia und Cavoli, rollen wir zurück nach Marina di Campo.

Die Insel aus Eisen
Der Nordosten ist Elbas raue Seite und seit der Antike Bergbauland. Schon die Etrusker schätzten das Eisen von hier, der alte Inselname Ilva bedeutet genau das. Erster Halt ist das Castello del Volterraio, das älteste Bauwerk der Insel.
Unter alten Pinien erreichen wir Rio nell'Elba, im 12. Jahrhundert von den Pisanern befestigt und Heimat des einzigen historischen Waschhauses der Insel. In Cavo bauten sich Minenbesitzer einst prächtige Villen, das Festland liegt nur zehn Kilometer entfernt. Im bunten Hafen von Rio Marina legte 1981 das letzte Erzschiff ab.
Nach einem Abstecher zur Einsiedelei Santa Caterina, einem stillen Ort voller Legenden, endet die Etappe in Porto Azzurro. Die Spanier gründeten den Ort als Forte Longone, seit 1947 heißt er „Blauer Hafen“. Nach 45 Kilometern und 840 Höhenmetern ist die Promenade genau der richtige Ort zum Durchatmen.
Einmal quer über die Insel
Heute geht es direkt vor der Hoteltür los. Der erste Anstieg führt zu den Bergdörfern San Piero und Sant'Ilario in Campo mit ihren schmalen Gassen. Danach rauschen wir hinab in die Ebene von Campo, wo Elbas einziger Flugplatz liegt.
Über die sanften Hügel am Monte San Martino erreichen wir Lacona mit seinem breiten Sandstrand. Durch Weingärten und Olivenhaine geht es nordwärts, bis nach dem letzten Anstieg nur noch die lange Abfahrt nach Portoferraio wartet.
Königsetappe am Monte Capanne
Zum Finale wartet die längste Runde: 51 Kilometer und über 1.100 Höhenmeter rund um den 1.019 Meter hohen Monte Capanne, den höchsten Gipfel des ganzen Archipels. Erstes Ziel ist Poggio, ein Bergdorf auf einer Hügelkuppe in 350 Metern Höhe. Von der Piazza schauen wir hinab auf Marciana Marina und das Capo d'Enfola, wo unsere Radwoche begann.
Durch Kastanien- und Kiefernwälder geht es am Monte Perone vorbei, stille Waldstücke wechseln mit spektakulären Ausblicken. In Serpentinen stürzt sich die Straße hinab nach Sant'Ilario, über Procchio an der Nordküste kehren wir nach Portoferraio zurück. Küste, Berge, Kultur und Natur: Dieser Tag fasst Elba noch einmal zusammen. Und das Beste kommt zum Schluss.
Ein Glas Inselsonne
Den krönenden Abschluss des letzten Radtags bildet unser Besuch im Weingut Acquabona. Es liegt zwischen Portoferraio und Porto Azzurro, auf einem Gutshof aus dem 18. Jahrhundert, wo früher eine Süßwasserquelle sprudelte.
Seit 1986 führen drei befreundete Agronomen das Gut. Sie setzen konsequent auf Elbas alte, heimische Rebsorten und auf die traditionelle Inselweinkultur. Rund 18 Hektar Reben gehören dazu, ein Teil davon auf wiederhergestellten Terrassen bei Lacona, durch das uns auch die Inselquerung führt.
Der Winzer und seine Frau nehmen sich persönlich Zeit für uns und führen selbst durch die Weinprobe. Berühmt ist Acquabona für seinen Aleatico dell'Elba, einen Süßwein aus sonnengetrockneten Trauben. Nach 51 Kilometern und über 1.100 Höhenmetern schmeckt jedes Glas doppelt gut, ein schöneres Finale für unsere Radwoche können wir uns kaum vorstellen.











